Thesen zur Offenen Jugendarbeit

Die folgenden Thesen entstanden im Rahmen eines Expert_innenworkshops am 24.10.2013 mit Vertreter_innnen aus Theorie, Praxis und Politik.

 

Wertigkeit der Offenen Jugendarbeit

Die Offene Jugendarbeit vermisst eine angemessene Anerkennung ihrer Arbeit. Dies gilt auch für die politische Öffentlichkeit. Während der Institution Schule eine hohe Wertigkeit zugesprochen wird, erfährt die Jugendarbeit eine zu geringe Wertschätzung. Dies spiegelt sich unter anderem in wesentlich geringeren Zuwendungen wider bis hin zu den fortlaufenden Kürzungen für Arbeitsmaterialien und Stellen. Dabei ist Jugendarbeit keine freiwillige Leistung, sondern nach dem SGB VIII eine zentrale Aufgabe des Staates (siehe hierzu auch die Stellungnahme: „Jugendarbeit ist Pflichtaufgabe der Kommunen“ des LSJV). Im Zusammenhang mit der Wertigkeit der Offenen Jugendarbeit wurde auch über den Sinn quantitativer Dokumentationen der Jugendarbeit diskutiert. „Jugendarbeit ist nicht in Zahlen messbar“, so das Zitat eines Teilnehmers. Die Wertigkeit von Jugendarbeit müsste über qualitative (und quantitative) Dokumentationen dargestellt werden. Jugendarbeit sollte sich zukünftig in öffentlichen Diskursen stärker selbst positionieren und ihre Stärken offensiv vertreten.

Bildungsprozesse in der Offenen Jugendarbeit

Ein Argument für die Offene Jugendarbeit ist vor allem die „Offenheit“ der Angebote. Während Schule hauptsächlich durch Lernen und formale Settings gekennzeichnet ist, bietet die Jugendarbeit für die Jugendlichen Freiwilligkeit, Offenheit, Autonomie und Zwanglosigkeit. Die Arenen der Jugendarbeit sind dadurch maßgeblich Orte, an denen Teilhabe und Selbstwirksamkeit eingeübt werden kann. Ein weiteres Argument, das die Jugendarbeit stützt, ist, dass Jugendarbeit und informelles Lernen eng miteinander verknüpft sind. Nicht nur Schulen übernehmen eine Bildungsfunktion, auch die OTs tragen diese mit und sind daher ebenfalls für den Bildungserfolg der Jugendlichen maßgeblich verantwortlich.

Landesförderung kommunaler Einrichtungen

Ein Thema der Diskussion betraf die Frage nach einem möglichen Ausbau der Landesförderung für die Offene Jugendarbeit. Vor dem Hintergrund der Wertigkeits- und Anerkennungsdebatte geht es hierbei auch um eine finanzielle Anerkennung der Arbeit der Offenen Jugendarbeit und den Wunsch nach der Absicherung der Einrichtungen.

Kooperation auf Augenhöhe

Einige Teilnehmende berichten von einer fehlenden Kooperation auf Augenhöhe mit Projektpartnern wie zum Beispiel Schulen. Der Umgang zwischen den einzelnen Professionen wurde vielfach als nicht gleichberechtigt wahrgenommen. Hier besteht auch in Zukunft noch der Bedarf an Ausbau und Verstärkung von egalitären Kooperationsstrukturen.

Problematisierung des Präventionsparadigma der Jugendarbeit

Eine aktuelle Herausforderung in der Jugendarbeit – die von Teilnehmenden benannt wurde – ist eine (Projekt-)Förderung, die sich mehr an den Problemen als an den Ressourcen der Jugendlichen orientiert. Eine Teilnehmerin gibt kritisch zu Bedenken: „Es haben nur die Jugendlichen ein Anrecht auf Hilfe und Unterstützung, die ein Problem haben“. Legitimation von Jugendarbeit kann nicht alleine über die Benennung von Problemen erfolgen. Jugendarbeit ist ein wichtiger Ort der Adoleszenz, was gerade auch daran ersichtlich wird, wenn die Arbeit mit Jugendlichen gut verläuft und eng an die jugendlichen Ressourcen gekoppelt ist.

Fehlende niederschwellige Angebote für junge Erwachsene

Ein weiteres Thema, das die Einrichtungen beschäftigt, ist das Fehlen niederschwelliger Angebote und Räume für junge Erwachsene. Eine besondere Zielgruppe sind die wohnungslosen Jugendlichen, die sich infolge mangelnder Anlaufpunkte als erstes in den offenen Häusern einfinden. Auch hierbei handelt es sich um einen Auftrag der Sozialarbeit – so die Teilnehmenden.

Neue Zielgruppe für die Offene Jugendarbeit?

Im Kontext mit Veränderungen in den Migrationsbewegungen und etwa der Einwanderung von Unbegleiteten Flüchtlingen (UMF) bzw. Geflüchteten insgesamt stellt sich die Frage, wie und ob die Offene Jugendarbeit Orte der Teilhabe bieten kann und sich gezielt diesen Gruppen von jungen Menschen zuwenden könnte. In einigen Orten gibt es auch schon entsprechend positive Erfahrungen, die weiter ausgebaut und forciert werden können.

Lobbyarbeit

Der Mehrwert von Jugendarbeit müsste stärker durch Lobbyarbeit in der Öffentlichkeit herausgearbeitet werden. Jugendarbeit muss sichtbarer werden. Die ism-Mitarbeiterinnen sehen unter anderem in der für das Projekt geschaffenen Homepage eine Plattform, die die Einrichtungen nutzen können, um ihre Arbeit einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.