Ebenen der Interkulturellen Öffnung

Da Interkulturelle Öffnung ein langfristiger und organisationenumfassender Prozess ist, spielt sich dieser auf unterschiedlichen Handlungsebenen ab, wie das Schaubild verdeutlicht. Die einzelnen Ebenen werden im Folgenden kurz beschrieben.

 

 

Einrichtung und Struktur

Auf der Ebene der Einrichtung und Strukturen geht es zum einen darum, dass die vorhandene Infrastruktur eines HOT den Anforderungen einer pluralen und heterogenen Gesellschaft bzw. Jugend entspricht. 

Folgende Fragen könnten im Rahmen einer Einrichtungschcheckliste IKÖ gestellt werden:

  • Entspricht unser Mobiliar, unsere Materialien und Aktivitätengegenstände den Bedürfnissen der Jugendlichen, die in unserem Einzugsgebiet leben?
  • Welche Möglichkeiten der Partizipation bestehen in unserer Einrichtung, damit Jugendliche äußern können, welches ihre Interessen sind und welche Materialien und Medien sie entsprechend gerne zur Verfügung hätten?
  • Können wir mit den vorhandenen Materialien möglichst breite und vielfältige Zielgruppen ansprechen?
  • Welche Möglichkeiten (Sponsoring, Projektakquise etc.) gäbe es, um unser Repertoire zu erweitern?

Ebenso geht es aber auch darum, sich zu überlegen, mit welchen anderen Akteur_innen und Organisationen das HOT zusammenarbeitet bzw. kooperiert. Neben Kooperationspartner_innen wie Schule, Schulsozialarbeit, Sportvereinen oder den Jugendpfleger_innen vor Ort, kann es auch sinnvoll sein, sich zu überlegen, ob es nicht Akteur_innen gibt, die einen besonders guten Zugang zu jungen Menschen mit Migrationshintergrund haben, und diese gezielt als Partner_innen zu gewinnen. Dies können u.a. sein:

  • Migrant_innenorganisationen (MO) oder
  • Vereine von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (VJM)
  • Der Jugendmigrationsdienst
  • Die lokalen Beiräte für Migration und Integration

 

Folgende Adressen bzw. Links könnten die Suche nach Partner_innen erleichtern:

Ein weiterer Aspekt, der im Rahmen der Strukturen einer Einrichtung von Relevanz ist, wenn es um die Analyse von exklusiven oder inklusiven Aspekten geht, kann die Betrachtung der Trägerstrukturen sein. Dabei spielt natürlich zum einen das Kriterium freier Träger – öffentlicher Träger eine Rolle. Gleiches gilt bei den freien Trägern auch für die Differenzierung zwischen konfessionellen Trägern und nicht konfessionell gebundenen Einrichtungen. Auch wenn sich eine Einrichtung der Maxime verpflichtet fühlt „wir sind offen für alle“, kann es sein, dass Jugendliche nicht kommen, weil sie befürchten, es handele sich um eine Einrichtung die beispielsweise nur katholischen Jugendlichen offen stehe. Interkulturelle Öffnung der Einrichtungsstrukturen ist in diesem Kontext kein Selbstläufer, sondern es bedarf der aktiven Kommunikation, damit Jugendliche – aber auch deren Eltern – wissen, dass das HOT sein Angebot tatsächlich an Alle richtet bzw. Alle willkommen sind.

Mitarbeitende

In Bezug auf die Zusammensetzung des Teams eines HOT  können im Kontext der Interkulturellen Öffnung bzw. der diversitätsbewussten Personalentwicklung verschiedene Aspekte von Bedeutung sein. Zum einen bezieht sich IKÖ in diesem Kontext auf die Zusammensetzung des Teams hinsichtlich diversitätsrelevanter Kriterien:

  • Gibt es Mitarbeitende mit Migrationshintergrund?
  • Wie sieht die Zusammensetzung des Teams aus Gender-Aspekten aus?
  • Welche Altersstruktur ist im Team vertreten?

Daneben gilt es jedoch auch zu beachten, dass diversitätsbewusste Teamentwicklung sich auf alle Ebenen der Mitarbeitenden bezieht, also von den haupt- zu den ehrenamtlich Aktiven, von der Leitung bis zur Ebene der geringfügig Beschäftigten bzw. Honorarkräfte.

Um nicht in die Falle der „Reifizierung von Zuschreibungen“ zu tappen, also der Falle, dass bestimmte Merkmale einer bestimmten Person ausschließlich zugeschrieben werden, gilt es in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen, dass ein Migrationshintegrrund per se zunächst einmal keine Kompetenz darstellt bzw. Menschen mit Migrationshintergrund nicht automatisch „interkulturelle Kompetenz“ besitzen. Bei der interkulturellen Personalentwicklung gilt es entsprechend vielmehr, der pluralen Zusammensetzung der jugendlichen Bevölkerung auch auf der Ebene des Personals Rechnung zu tragen und diese zu spiegeln.  Dies kann beispielsweise zu einem Vertrauensgewinn in einer Einrichtung führen. Ebenso wichtig sind jedoch auch Aspekte wie Gender, Alter, Milieu etc., wenn es darum geht, Zugang zu den Jugendlichen zu gewinnen. Weiterhin ist in diesem Kontext wichtig zu betonen, dass es eine falsch verstandene Interpretation von Interkulutreller Öffnung wäre, wenn die Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund ausschließlich für Themen und  Aktivitäten rund um die Themen Diversität und Inklusion zuständig wären.

Besucher_innen

Die Ebene der Besucher_innen eines HOT bezieht sich ganz direkt auf diejenigen Jugendlichen, die ein HOT aufsuchen bzw. diejenigen, die die Einrichtung nicht besuchen. Hier bedeutet Interkulturelle Öffnung sehr konkret sich anzusehen, welche Jugendlichen die Angebote in einem HOT wahrnehmen und welche nicht. Dabei zeigt sich ein grundlegendes Spannungsfeld darin, dass ein HOT in der Regel auf der einen Seite den Anspruch hat, offen für Alle zu sein. Auf der anderen Seite ergibt es sich in der Praxis allerdings meistens, dass  sich nicht alle Jugendlichen, die in einem Sozialraum leben, gleichermaßen angesprochen fühlen. Dabei gibt es verschiedene Indikatoren, die den Zugang zu einer Einrichtung befördern oder hemmen können, darunter etwa:

  • Alter der Jugendlichen (manche HOT haben Angebote für spezielle Altersgruppen wie Kinder oder ältere Jugendliche ab 16)
  • Geschlecht (Studien zeigen, dass Mädchen und Jungen in jüngerem Alter noch etwa gleich verteilt die Angebote der HOT wahrnehmen, aber mit steigendem Alter die HOT eher von Jungen als von Mädchen besucht werden)
  • Sozialräumliche Verankerung (nicht nur, aber auch im ländlichen Raum ist die Erreichbarkeit eines HOT ein entscheidendes Kriterium; aber auch im städtischen Raum spielt der Ort, an dem eine Einrichtung angesiedelt ist, eine wichtige Rolle)
  • Jugendkulturelle Szenen (nicht immer gelingt es, dass ein HOT attraktiv für sehr unterschiedliche jugendkulturelle Ausdrucksformen ist; die Szenen, die ein HOT besuchen, wechseln dabei in der Regel auch über die Jahre)
  • Milieu der Jugendlichen (auch soziostrukturelle und bildungsbezogene Aspekte.

 

Bei der Interkulturellen Öffnung geht es entsprechend nicht darum, dass tatsächlich alle Kinder- und Jugendlichen eines Sozialraums an den Angeboten eines HOT teilnehmen, sondern vielmehr, dass alle Kinder und Jugendlichen, die an Angeboten teilnehmen möchten, dies auch können. Zudem sollte gewährleistet sein, dass es für alle Kinder und Jugendlichen Räume gibt, in denen sie sich gerne aufhalten. Das bedeutet, dass es nicht zwingend eine Einrichtung für Alle geben muss, sondern, dass – u. a. durch Methoden der Sozialraumanalyse – sichergestellt sein sollte, dass alle Kinder und Jugendlichen in einem Sozialraum ein Angebot finden, das ihren Interessen entspricht.

 

Pädagogische Maßnahmen

Um die unterschiedlichen Ziele und Anforderungen an Interkulturelle Öffnung bewerkstelligen zu können, gibt es ganz unterschiedliche Methoden und Maßnahmen, die für eine Einrichtung relevant sein können. Einige davon werden in den Datenbanken Methoden und Material auf dieser Website vorgestellt.

Ganz generell kann man die Maßnahmen und Methoden danach unterscheiden, an welche Zielgruppe bzw. Ebene sie sich richten, z. B.:

Methoden für Jugendliche:

Geeignet sind hier beispielweise Methoden aus der diversitätsbewussten und rassismuskritischen Bildungsarbeit (Beispiele zu finden unter www.vielfalt-mediathek.de)

Methoden für Mitarbeitende:

Mitarbeitende mit Migrationshintergrund: wünschenswert wäre die Implementierung von Maßnahmen des Empowerments in geschlossenen Räumen für Mitarbeitende mit Migrationshintergrund, damit diese sich über ihre Erfahrungen (u. a. mit Vorurteilen, Diskriminierung und Rassismus) in der Arbeit austauschen können

Mitarbeitende ohne Migrationshintergrund: ähnlich wie bei den Methoden für Jugendliche eignen sich hier Methoden der diversitätsbewussten und rassismuskritischen Bildungsarbeit (Beispiele zu finden unter www.vielfalt-mediathek.de)

Methoden für Struktur- und Prozessentwicklung:

Hier sind es insbesondere Methoden aus dem Bereich der interkulturellen (strukturellen) Organisationsentwicklung, die sich für den Einsatz in der Offenen Jugendarbeit eignen können

 

Beispiele für Methoden und Maßnahmen zu all diesen Bereichen finden sich in den projekteigenen Datenbanken zu Methoden und Material.